CDU - Fraktion im Landtag des Saarlandes
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28.09.2020

Interview Frank Wagner im „Wortlaut“ der Saarbrücker Zeitung

Jahrelang hat sich die CDU gegen eine erneute Debatte um eine mögliche Rückkehr zu G9 gewandt. Woher rührt der plötzliche Kurswechsel?  

WAGNER Von einem Kurswechsel kann bei uns nicht die Rede sein. Wir haben über einen langen, abgestimmten Prozess mit Schülern, Eltern, Lehrern und auch Schulleitern und Verbänden bewusst einen Schwerpunkt auf die Gymnasien gelegt. Uns geht es darum, das Gymnasium inhaltlich weiterzuentwickeln. Mit unserer „Qualitätsoffensive Gymnasium“ wollen wir den Herausforderungen der Gesellschaft und Wirtschaft gerecht werden. Nun hat der Philologenverband sein Konzept „Gymnasium Plus“ vorgestellt, wo wir viele Überschneidungen sehen. Ein entscheidender Punkt war die neunjährige Schulzeit. Wenn herauskommt, dass wir neun Jahre benötigen, stehen wir dem offen gegenüber.   

Im Fokus steht aber nun mal die Debatte um das Turbo-Abi in acht Jahren. Würden Sie sagen, dass G8 gescheitert ist?  

WAGNER Auf keinen Fall. Auch das Gymnasium in acht Jahren ist eine Erfolgsgeschichte. Wir haben viele Gymnasien besucht, und da war das an keiner Stelle ein Thema gewesen. Die Gymnasien machen eine tolle Arbeit. Nichtsdestotrotz hat sich gezeigt, dass viele neue, auch inhaltliche Punkte zum Erhalt der Qualität berücksichtigt werden müssen.   

Das hört sich ja stark danach an, dass G9 wieder eingeführt wird…  

WAGNER Es ist ein wichtiger Punkt, über den wir sprechen müssen. Aber orientiert an der Schulform des Gymnasiums. In der öffentlichen Debatte, auch mit dem Koalitionspartner SPD und der Opposition, vernehme ich eher, dass es eine Strukturdebatte quer durch alle Schulformen ist. Dort wurde in den vergangenen Jahren bereits viel getan. An den Gemeinschaftsschulen und den Beruflichen Gymnasien haben wir den Weg nach neun Jahren zum Abitur. Also liegt der klare Fokus jetzt auf den Gymnasien.   

Die Beruflichen Gymnasien, die Sie ansprechen, fühlten sich in den Debatten nicht ausreichend wahrgenommen…  

WAGNER Wir müssen von drei Säulen im weiterführenden Bereich sprechen: Gymnasien, Gemeinschaftsschulen und Berufliche Schulen. Eine Studie der OECD hat klar belegt, welche wertvolle Arbeit die berufliche Bildung in ganz Deutschland macht. Dabei gerät immer wieder aus dem Blick, dass wir mit den Beruflichen Gymnasien eine sehr erfolgreiche Schulform haben. Übrigens ein CDU-Projekt Anfang der 2000er Jahre. In den Schuljahren 11 bis 13 erreichen die Schüler ebenfalls die allgemeine Hochschulreife mit einem beruflichen Schwerpunkt. Das wollen wir in der Qualitätsoffensive Gymnasien berücksichtigen. Daher wird es kommende Woche einen runden Tisch geben mit den Beruflichen Gymnasien. Uns ist es wichtig, dass die Eigenständigkeit des Beruflichen Gymnasiums herausgearbeitet wird. Viele Schüler und Eltern kennen diese Schulform nicht. Wir wollen für mehr Transparenz sorgen, für mehr Kommunikation. 

Die Experten-Kommission der großen Koalition sollte sich auch mit der G8-G9-Debatte beschäftigen, hatte dies bislang aber ausgeklammert. Wird das Thema nun angepackt? 

WAGNER Wir hatten innerhalb der Steuerungsgruppe der großen Koalition Anfang des Jahres besprochen, dass dieses Thema Schulzeit in der Experten-Kommission jetzt auch besprochen werden muss. Die Kommission wird Ende Oktober tagen, eine Tagesordnung gibt es aber noch nicht. 

Die SPD hatte angekündigt, dass es noch vor der Landtagswahl 2022 eine gesetzliche Regelung geben soll. Was halten Sie davon? 

WAGNER Wir stehen für eine Abstimmung innerhalb der großen Koalition zu diesem Punkt. Was ich aber von der SPD vermisse, ist ein klares inhaltliches Konzept. Vielleicht wird es uns in einem ersten Gespräch zu diesem Punkt auch präsentiert. Was ich bis jetzt in der Öffentlichkeit wahrgenommen habe, auch in der Plenardebatte, war rein strukturell, gemischt mit einigen ideologischen Träumen. Etwa ein Einstieg in den echten Ganztag, und eine flexible Mittelstufe mit einer Wahlmöglichkeit. Das ist nicht das, was wir uns vorstellen. Mit uns wird es keinen Einstieg in eine Einheitsschule geben.  

Also wird es bis 2022 eine gesetzliche Regelung geben? 

WAGNER Wir sind fest entschlossen, die von uns angestoßene Debatte über die Qualität an Gymnasien zu Ende zu bringen. Wir sind selbstverständlich in Abstimmungsgesprächen mit dem Koalitionspartner. Aber es darf nicht plötzlich die anderen Schulformen tangieren. Wir wollen ein klares Profil des Gymnasiums, mit neuen inhaltlichen Bausteinen und möglicherweise einer Verlängerung der Schulzeit.  

Wie viel Wahlkampf steckt hinter dem Vorstoß der SPD? 

WAGNER Es hat mich sehr verwundert, dass die SPD andere Themen, die ihr wichtig sind wie Ganztagsbetreuung und möglichst langes, gemeinsames Lernen, jetzt in dieser Startphase der Debatte für das Gymnasium einbringt. Nur mit Forderungen, die sie eins zu eins in anderen Schulformen fordern, bringen wir das Gymnasium nicht weiter. Im Übrigen gibt es an vielen Gymnasien schon echte Ganztagsklassen. Wir führen keine rückwärtige Debatte über G9 wie vor zwei Jahrzehnten, sondern wir möchten nach vorne denken, auch beim Thema Schulzeit. 

Für Ihre Qualitätsoffensive gab es aber heftige Kritik von Seiten der SPD und der Linke. Vor allem wegen der Grundschulempfehlung, die Sie wieder verstärkt in den Fokus genommen haben… 

WAGNER Eltern und Lehrer fordern, das Gymnasium neu zu denken. Wir müssen dabei auch über Zugangsvoraussetzungen nachdenken. Wir stehen weiter für die Durchlässigkeit, dass man problemlos zwischen den Schulformen wechseln kann. Wir bekommen Impulse von Schulleitern, etwa die Beratungsgespräche, die von den Grundschulen geführt werden, zu erweitern. Es gibt nichts Schlimmeres, wenn ein Kind schon in der 5. oder 6. Klasse an die Grenze kommt und letztlich scheitert. Da wäre es besser, vielleicht punktgenau in einer profilierten Gemeinschaftsschule zu beginnen. Da ist von unserer Seite nichts in Stein gemeißelt. 

Im Plenum sagten Sie, eine Wischi-Waschi-Lösung wird es nicht geben. Wenn es wieder G9 geben soll, dann also für alle Gymnasien im Saarland? 

WAGNER In unserem übersichtlichen Bundesland mit knapp 30 Gymnasien  eine Kluft zu haben mit sowohl G8 als auch G9, wäre für uns der falsche Weg, wenn dann muss es eine feste Regelung an allen Gymnasien werden. Das würde auch organisatorisch bloß Unruhe in die Abläufe bringen. Zuerst müssen wir über die grundlegende inhaltliche Ausrichtung sprechen. 

Medienkontakt

 

Sarah Joseph

Pressesprecherin

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