30. 09. 2008

ANTRAG der CDU-Landtagsfraktion: Musisch-kulturelle Bildung stärken

Der Landtag wolle beschließen:

Musisch-kulturelle Bildung ist wesentlicher Bestandteil einer ausgewogenen und stabilen Persönlichkeitsentwicklung. Bei der Diskussion um die Bedeutung musisch-kultureller Elemente in Bildung und Erziehung geht es um mehr als um Fachfragen. Hier geht es um sehr viel mehr: Nämlich um die Frage, wie wir unseren Kindern das Rüstzeug vermitteln für eine Zeit, die von Rationalität, Globalisierung und immer rascherem Wandel geprägt ist; für eine moderne Arbeitswelt, in der es immer mehr auf Ideen, schnelle Reaktionen und Kommunikation ankommt. Bei interdisziplinärem Denken, Kreativität, Konzentrationsvermögen oder sozialer Kompetenz spielt die musisch-kulturelle Ausbildung eine zentrale Rolle. Musisch-kulturelle Bildung ist kein schmückendes Beiwerk für bessere Zeiten, sondern ein gewichtiger Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung unserer Kinder und letztlich auch zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit eines Kulturraumes wie dem Saarland.

 

Der Landtag des Saarlandes begrüßt, dass die Landesregierung dieser Leitlinie entsprechend handelt und die musisch-kulturelle Bildung durch zahlreiche Maßnahmen bereits wesentlich gestärkt hat. Hierzu zählen insbesondere:

• die Fortbildungsmöglichkeit für Erzieher/-innen und Lehrer/-innen in elementarer Musikpädagogik an der Landesakademie für musisch-kulturelle Bildung;

• die Etablierung des Bündnisses „Singen mit Kindern“ und dessen Fortentwicklung zum „Bündnis für Musik“;

• die Herausgabe eines Liederkalenders mit Schüler-CD-Produktion für Kindergärten und Schulen;

• die Einführung des kulturellen Praktikums mit kulturellem Wandertag und einer Fülle von Schulkooperationen mit musisch-kulturellen Verbänden zumeist im Rahmen der freiwilligen Ganztagsschule mit 109 Maßnahmen jährlich;

• im Bereich der Grundschule die Stärkung der Stundenzahl für den musischen Bereich, indem ein Teil des Förderunterrichts dafür vorbehalten ist;

• die Stärkung des Einsatzes von Museums- und Theaterpädagogen;

• die Einrichtung von drei Gymnasien mit musikalischem Schwerpunkt;

• die Etablierung des Faches „Darstellendes Spiel,“ an der gymnasialen Oberstufe mit eigenen Kurrikulum;

• die Förderung des Projektes „Kunst macht Schule“, das Schülern den direktren Kontakt und die gemeinsame Arbeit mit Künstlern ermöglicht;

• die Einführung und den Ausbau des Projektes „Muse“ an saarländischen Grundschulen;

• die Förderung von erweitertem Musikunterricht an insgesamt neun saarländischen Grundschulen;

• die Leseförderung im Rahmen des Netzwerkes „mehr Lesen“;

• die Förderung der Ausbildung von „Musikmentoren“;

• die Verabschiedung neuer Zuschussrichtlinien für die Kunstschulen mit besonderem Schwerpunkt auf Kinder- und Jugendarbeit;

• die finanzielle Stärkung der Landesakademie für musisch-kulturelle Bildung;

• die finanzielle Absicherung wichtiger Institutionen wie dem Kinder- und Jugendtheater „Überzwerg“ und die geplanten Baumaßnahmen zur Verbesserung der Spielsituation;

• das Vorhaben der Landesregierung, im Rahmen der länderübergreifenden europäischen Zusammenarbeit ein „Netzwerk Musik in der Großregion“ mit einer entsprechenden Agentur im Saarland zu etablieren;

• die Schaffung eines Netzwerkes der öffentlichen Bibliotheken und Schulbibliotheken;

• die Ehrenamtsinitiative der Landesregierung, durch die ehrenamtliche Arbeit im Kulturbereich anerkannt und die ehrenamtlich Tätigen vor Risiken geschützt werden.

Der Landtag des Saarlandes begrüßt auch nachdrücklich die Anstrengungen der großen Kultureinrichtungen des Landes, wie z.B. dem Saarländischen Staatstheater, der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz oder der deutschen Radiophilharmonie, ihre Aktivitäten im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit zu verstärken.

Die Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ beklagt in ihrem Schlussbericht, dass die kulturelle Bildung verschiedenen politischen Ressorts zugeordnet ist, der Jugendpolitik, der Bildungspolitik und der Kulturpolitik (Schlussbericht Seite 380). Von daher bestehen im Saarland mit der Schaffung eines Ministeriums für Bildung, Familie, Frauen und Kultur, einschließlich der Zuständigkeit für die Jugendpolitik, nun noch bessere Voraussetzungen für eine weitere Stärkung des gesamten Bereichs der musischkulturellen Bildung.

Der Landtag des Saarlandes fordert daher die Landesregierung auf, auf ihrem Weg der Stärkung der musisch-kulturellen Bildung konsequent weiterzugehen und hierbei insbesondere:

• die Möglichkeiten des kulturellen Praktikums besser bekannt zu machen und hierdurch eine stärkere Nutzung durch die Schulen zu erreichen;

• die Einrichtung des Kulturwandertages weiterzuentwickeln;

• die Schulkooperationen mit Kultureinrichtungen und Vereinen weiter auszubauen und die Qualifikation der Verantwortlichen zu fördern;

• diese Kooperationen auf Kindertagesstätten auszudehnen;

• die Institutionen der kulturellen Bildung weiter finanziell abzusichern;

• in Zusammenarbeit mit den großen Kulturinstitutionen die Kinder- und Jugendkulturarbeit weiter auszubauen;

• zu prüfen, ob die saarländischen Musikschulen staatlich anerkannt und Qualitätsstandards definiert werden können;

• die musisch-kulturellen Kompetenzen in der Erzieher- und Lehrerausbildung weiter zu stärken.

Der Landtag des Saarlandes fordert die Landesregierung auf, auf dieser Basis ihr Gesamtkonzept zur kulturellen Bildung im Saarland weiterzuentwickeln und dem Landtag zu gegebener Zeit Ergebnisse vorzulegen.

B e g r ü n d u n g :

Erfolgt mündlich.

 

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